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Der Herr der Diamanten

„Die Geduld ist eine Wesensart des Steinfassers.“

Wenn dieser Künstler seine Post öffnet, hält er den Atem an. Denn schon ein kleiner Luftzug könnte den kostbaren Inhalt seiner fein sortierten Schmucksteinbriefchen davonwehen. Nicht weniger als 4810 lupenreine Diamanten von insgesamt 16 kt und mehr überprüft der gelernte Juwelenfasser auf ihre Volkommenheit, bevor er mit ihnen ein Schreibjuwel der Extraklasse krönt: das Meisterstück Solitaire Royal, das mit seinem majestätischen Preis von über 200.000 DM als Gipfel der Montblanc Handwerkskunst gilt. Die Höhe des Mont Blanc Berges von 4810 Metern gab daher auch die Anzahl der Brillanten vor, denen dieser Juwelenfasser den königlichen Füllhalter schmückt. Eine Arbeit,die auf sprichwörtlich kleinstem Raum stattfindet. Dicht an dicht muss der Meister die mit 56 Facetten geschliffenen Brillanten in die präzise vorgearbeitete Oberfläche aus 18-karatigem Gold einfügen. Diese so genannte Pavé-Fassung gilt unter Juwelieren als die größtmögliche Herausforderung künstlerischen Könnens.

 

Doch Herausforderungen scheint der Mann mit den interessierten, klugen Augen auch in einer anderen Kunstform zu lieben. Im Gespräch kommt heraus, das sich der Juwellenfasser privat am meisten zur Musik hingezogen fühlt. Als passionierter Waschbrettspieler ist er seit vielen Jahren Mitglied einer Oldtime-Jazzband. Begeistert erzählt er von seinen Auftritten in traditionellen Clubs in New Orleans und wie er für seinen virtuosen Leistungen als Musiker unter die Ehrenbürger dieser legendären Stadt gewählt wurde. Für seine virtuosen Leistungen als Juwelier ist diese Leidenschaft eine ideale Ergänzung. “Mein Beruf und die Musik rufen zwei unterschiedliche Qualitäten in mir wach“, sagt der Juwelenfasser. Beim Musizieren komme ich aus mir heraus, während ich bei der Arbeit viel mehr in mir selbst ruhe. “Tatsächlich hat der Beruf des Juwelenfassers etwas Meditatives. Die gebeugte Position, in der der Meister vor seiner Werkbank sitzt, erweckt den Eindruck, als bete er die Brillanten auf seiner Arbeitsfläche an.“ Ich muss die Steine nah vor Augen haben, damit ich sie ganz genau einsetzen kann,“ sagt er.

 

Für das Einsetzen der Diamanten, die zum Teil die unfassbare Größe von 0,7 Milimetern haben, verwendet er ein Werkzeug mit einer haftenden Spitze. Stück für Stück nimmt er damit die Edelsteine auf und setzt sie in ihre exakt angepassten Vertiefungen. Diese Arbeit, die höchste Konzentration erfordert und ständig mit der Lupe kontrolliert werden muss, kann der Meister nicht länger als zwei Stunden am Stück machen. „Spätestens dann brauchen die Augen eine Pause.“ Eine der schwierigsten Herausforderungen eines Juwelenfassers ist der Umgebung mit dem Stichel, einem spitzen Metallstift an einer einfachen Holzkugel. „ Damit haben schon die Kupferstecher in Diensten gearbeitet“, erklärt der Meister nicht ohne Stolz und beginnt mit seinem historischen Werkzeug die Linien zwischen den fertig eingesetzten Diamanten zu vertiefen. Freihändig, versteht sich.

 

 

Wenn zu guter Letzt das vollendete Schreibjuwel im weißen Feuer von fast fünftausend Diamanten erstrahlt und seidenglatt in den Händen seines Schöpfers liegt, hält dieser erneut den Atem an. Doch bis zu diesem großen Augenblick vergeht eine lange Zeit.“ Für meinen Beruf braucht man drei Dinge“, sagt der Künstler, „Geduld, Geduld und nochmals Geduld. Die Geduld ist eine Wesenart des Juwelenfassers.“